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„Wir müssen Agrarier zu IT-Profis ausbilden“

Agrobrain-Geschäftsführer Stefan Krämer sieht Bedarf für digital kompetente Nachwuchskräfte mit Know-how im Pflanzenbau
Veröffentlicht am 28.01.2021

Der Generationenwechsel macht Nachwuchskräfte in der Agrarwirtschaft zum begehrten Gut. Besonders leicht werden künftig Agrarfachkräfte mit IT-Expertise einen attraktiven Job finden. Das erwartet Stefan Krämer, Gründer und Geschäftsführer des Agrarkarriere-Portals Agrobrain.

agrarzeitung (az): In welchen Bereichen der Agrarwirtschaft sind Absolventen aktuell am meisten gesucht?

Stefan Krämer: Grundsätzlich sind junge Talente in allen Bereichen zu jeder Zeit gesucht. Jedoch stellt man bei genauerem Hinsehen fest, dass gerade jetzt im Bereich Pflanzenbau und Agrar-IT so Stellen zu besetzen sind. Darüber hinaus sind Nachwuchskräfte im Vertrieb auch sehr gefragt, aber das beobachten wir schon seit einigen Jahren.

Wie schätzen Sie allgemein die Arbeitsplatzsituation in der Agrarwirtschaft ein?

Ein Überangebot an Absolventen ist derzeit nach meiner Meinung jedenfalls nicht feststellbar. Unter anderem aufgrund des Generationenwechsels und von Ruhestandsregelungen gibt es viele neu zu besetzende Stellen.

Auf welchen Feldern sollten Unternehmen am dringendsten in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um künftig wettbewerbsfähig zu bleiben?

Hier sehen wir aktuell einen dringenden Bedarf an digitaler Kompetenz. Während in den vergangenen Jahren sehr intensiv in bereits bekannten Kompetenzfeldern wie zum Beispiel Führung und Vertrieb geschult wurde, ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie ein deutlicher Schulungsbedarf bei digitalen Anwendungen vorhanden.

Wir bei Agrobrain begegnen diesem Trend, indem wir digitale Trainings mit den Inhalten der bekannten Kompetenzfelder verknüpfen. Diese Symbiose altbewährter Fähigkeiten unter Hinzunahme der Digitalkompetenz ist derzeit angesagt.

Welche Berufsbilder in der Agrarwirtschaft werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren aussterben?

Ich bin überzeugt, dass kein Berufsbild aussterben wird. Vielmehr werden vorhandene Berufsfelder um digitale Inhalte erweitert. Der Bedarf nach Fachkräften in diesen Berufsfeldern wird hierdurch eher ausgebaut als abflachen.

Unsere Branche erwartet auch weiterhin einen persönlichen Ansprechpartner im Kundenservice – sowohl analog als auch digital. Aufgrund der in der Coronakrise seitens der Bundesregierung festgestellten Systemrelevanz der Agrarbranche sind wir überzeugt, dass unsere Berufsfelder sich verändern, jedoch nicht aussterben.

Welche neuen beziehungsweise erweiterten Tätigkeitsprofile werden entstehen?

Die IT wird definitiv als Berufsfeld in der Agrarwirtschaft Einzug halten und ist, wie bereits gesagt, derzeit stark nachgefragt. Da davon auszugehen ist, dass kaum ein IT-ler zum Agrarier werden wird, müssen wir in Zukunft Agrarier zu IT-lern ausbilden, um den Stallgeruch der Agrarbranche in IT-Konzepten wiederfinden zu können.

Interview: Stefanie Pionke