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Fake-Stellen

Nicht jede Stellenanzeige ist ernst gemeint, manche werden veröffentlicht, obwohl die Stelle längst vergeben ist – zumindest inoffiziell. Das zu erkennen spart Arbeit und Nerven.
Veröffentlicht am 16.03.2021
Fake-Stellen

Woran erkenne ich, ob eine Stelle ernsthaft ausgeschrieben ist?

Fake News kennen wir alle, aber Fake-Stellenausschreibungen? Der Begriff ist sperrig und längst nicht so verbreitet wie Fake News, aber tatsächlich kommt das oft vor. Eine Stelle soll neu besetzt werden, es gibt DEN Kandidaten oder DIE Kandidatin, die perfekt darauf passen und die Stelle auch bekommen werden – trotzdem wird noch eine Anzeige veröffentlicht. Oft ist das im Umfeld sogar klar, nicht aber drei, vier Teams oder Abteilungen weiter und schon gar nicht extern. Ein Grund für solche Fake-Anzeigen kann beispielsweise sein, sich nicht angreifbar machen zu wollen – gegenüber Klagen möglicher Kandidaten oder auch gegenüber Rückfragen aus der Führungsetage. Oder schlicht, weil die Richtlinien des Unternehmens vorsehen, dass jede Stelle ausgeschrieben werden muss. Manchmal testen Unternehmen oder Verwaltungen so auch ihren Marktwert, also den Rücklauf, der auf eine Anzeige kommt, um ggfls. an ihrer Kommunikation etwas zu verbessern. Also veröffentlicht man eine Stellenanzeige, wartet vier oder sechs Wochen, schickt dann allen eingehenden Bewerbungen freundliche Absagen und besetzt die Stelle mit den sowieso dafür vorgesehenen Kandidaten oder auch überhaupt nicht, falls es nur ein Test war. Das kann aus Unternehmenssicht sinnvoll sein, beispielsweise dann, wenn eine völlig neue Stelle ausgeschrieben wird für ein neues, besonders innovatives Projekt – die sollte dann natürlich auch mit der Person ausgefüllt werden, von der die Idee dafür kommt und nicht von jemandem, der oder die formal vielleicht besser qualifiziert ist oder mehr Berufserfahrung hat. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen mittels Fake-Anzeigen einfach nur die Daten der Bewerber abgegriffen wurden – das ist dann schlicht kriminell. Oder Stellenausschreibungen werden als Kommunikationsinstrument verwendet, nach dem Motto: „Seht her, uns geht es gut, wir suchen Leute!“ Oft genug wurden Stellenanzeigen noch wenige Wochen vor Insolvenz oder Übernahme veröffentlicht.

Großes Ärgernis für Bewerberinnen und Bewerber

Für Bewerber und Bewerberinnen sind nicht ernstgemeinte Stellenanzeigen aber ein sehr großes Ärgernis. Denn eine ordentliche und sorgfältige Bewerbung zu erstellen kostet viele Mühen – die von vornherein umsonst sind, wenn die Stelle gar nicht ernsthaft zu vergeben ist. Auch emotional ist eine Bewerbung eine besondere Phase, wir freuen uns vielleicht auf den neuen Job, distanzieren uns schon ein wenig vom Bestehenden, fiebern auf die Einladung zum Gespräch hin – dabei war die ganze Aufregung von Anfang an aussichtslos. Deshalb sollten wechselwillige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich bei einer interessanten Stellenanzeige nicht nur fragen, ob das eine gute Stelle sein könnte, ob sie der Karriere dient, die Aufgaben reizvoll sind und zum eigenen Profil passen. Sondern durchaus auch einmal einen Gedanken darauf verwenden, ob die Mühe der Bewerbung denn überhaupt lohnt, ob die Stellenanzeige ernst gemeint ist oder nur Pro forma.

5 Indizien für Fake-Anzeigen

Mit den folgenden Hinweisen können Sie erkennen, ob es sich um eine ernst gemeinte Stellenanzeige handelt oder nicht. Hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht, aber je mehr Punkte zutreffen, desto eher könnte eine Anzeige nur Fake sein.

1) Prüfen Sie die Plausibilität. So kommen Sie auch am ehesten betrügerischen Inseraten auf die Spur. Kontaktdaten überprüfen ist das Mindeste. Aber auch mal mittels Satellitenbild oder Streetview die Adresse ansehen – große landwirtschaftliche Betriebe befinden sich selten in den Wohngebieten oder Innenstädten und auch ein Agrarhändler hat in der Regel Sitz ebenso wie Betriebsstätten in passenden Gewerbegebieten. Checken Sie aber auch die inhaltliche Relevanz: Ist es logisch, dass der ausschreibende Betrieb das gesuchte Jobprofil braucht? Eine Recherche in den sozialen Medien, insbesondere bei Xing und LinkedIn ist ebenfalls nützlich. Sind Zweifel geweckt, können Sie auch einfach mal anrufen und ein paar sinnvolle Fragen zum Job stellen.

2) Ist die Stelle extrem detailliert beschrieben oder verlangt sehr umfangreiche und spezielle Anforderungen? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass sie einer Person sozusagen auf den Leib geschrieben ist. Manche Anzeigen wirken so, als beschreiben sie eine ganz bestimmte Person – klares Indiz dafür, dass es sich tatsächlich so verhält. Oder es wird nach sehr detailliert beschriebenen, wenig gebräuchlichen Fähigkeiten, Erfahrungen oder Praktika gefragt, die sonst für dieses Berufsbild kaum vorkommen.

3) Kreative Jobtitel klingen gut – aber auch realistisch? Gerade junge Unternehmen haben gerne außergewöhnlich klingende Titel für ihre Stellen. Vergleichen Sie ruhig mal mit vergangenen Stellenanzeigen des Unternehmens, so bekommen Sie leicht ein Gespür dafür, ob die aktuelle Ausschreibung realistisch ist oder Fake.

4) Wiederholte Ausschreibungen, die identisch oder ähnlich alle paar Wochen oder Monate veröffentlicht werden, sind häufig nicht ernst gemeint. Falls doch, ist das aus anderen Gründen ein schlechtes Zeichen, denn die zuständige Personalabteilung ist dann möglicherweise so schlecht, dass sie es nicht schaffen, Stellenanzeigen so genau zu formulieren, um passende Bewerber finden. Kein Zeichen für ein gutes Unternehmen. Oder die ganze Firma ist so geführt, dass die Fluktuation extrem hoch ist – auch das ist nicht unbedingt ein Hinweis darauf, dass hier der Traumjob wartet.

5) Eine Stelle befristet auszuschreiben, ist heute oft Standard und deshalb alleine kein verlässliches Kriterium. Allerdings wissen Personaler natürlich, dass Befristungen unbeliebt sind und umso kürzer die Befristung, umso unbeliebter. Wenn Stellen ausgeschrieben werden, für die der geeignete Kandidat bereits vorhanden ist, werden deshalb gerne sehr kurze Befristungen gewählt, um möglichst viele Interessenten von vornherein abzuschrecken.

Wie bereits gesagt: Keines der genannten Kriterien ist ein sicherer Beweis. Den zu bekommen ist sowieso kaum möglich. Eigene Recherchen per Anruf oder Nachfragen im persönlichen Netzwerk liefern zusätzliche und manchmal auch sichere Hinweise auf Fake-Ausschreibungen. Auch eine Rückfrage bei Betriebs- oder Personalrat könnte zum Ziel führen. Oder Sie wählen die Zen-Variante, machen sich überhaupt keine Sorgen darüber, ob eine Anzeige als ernstzunehmend oder nicht einzuschätzen ist und sehen einfach jede Bewerbung als Training für künftige. Denn je aufwändiger die Recherche der Ernsthaftigkeit einer Anzeige sich gestaltet, desto geringer die Ersparnis gegenüber dem Aufwand der Bewerbung selbst. Und wenn Sie sich auf eine verlockende Anzeige nicht bewerben, weil Sie denken, es ist Fake und lohnt nicht – dann werden Sie vielleicht noch monatelang in nächtlichen schlaflosen Momenten darüber grübeln, ob es nicht doch eine gute Chance war.