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Casting-Show für Manager

Erfolgreich im Assessment-Center bestehen Jobmarkt beobachtet, Bewerbungen geschrieben, nun ist sie da: Die Einladung zum Assessment-Center (AC). Aber was erwartet mich dort und wie sollte ich mich darauf vorbereiten?
Veröffentlicht am 12.01.2020

Beide Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten. Es gibt nicht DAS Assessment-Center, die Ausgestaltung ist abhängig von den Stellen, die besetzt werden sollen. Das deutsche Militär der 1920erJahre gilt allgemein als erster regelmäßiger Nutzer der Methode. Ziel war damals und ist noch heute die Beurteilung (engl. Assessment) der Persönlichkeit, nicht die Überprüfung fachlicher Fähigkeiten. AC kommen daher nicht nur in Bewerbungsverfahren zum Einsatz, sondern auch bei der Personalentwicklung. Sie werden in der Regel bei der Besetzung von Führungspositionen durchgeführt, häufig beim Führungsnachwuchs, etwa für Trainee-Stellen. Der Aufwand ist deutlich höher als in klassischen Bewerbungsverfahren, auch, weil in der Regel externe Berater oder Prüfer involviert sind.

 

Die wesentlichen äußeren Formen von Assessment-Centern:

  • Gruppen sind die bekannteste und häufigste Form. 1 bis 15 Bewerberinnen und Bewerber treten gemeinsam an, meist über mehrere (meist zwei, manchmal drei) Tage hinweg. In diesem Zeitraum müssen sie einzeln und gemeinsam Aufgaben lösen, präsentieren, Diskussionen und Gespräche führen sowie Tests durchlaufen.
  • Assessment-Center für einzelne Bewerber. Hier werden Führungspositionen besetzt, Kandidaten müssen die gängigen Aufgaben lösen, angepasst an das Job-Profil.
  • Immer öfter werden Assessment-Center online durchgeführt, das ist günstiger als vor Ort und es können mehr Bewerber und Bewerberinnen geprüft werden. Oft wird so die Vorauswahl für Gruppen-AC getroffen.
  • Beim Management-Audit kommen die Probanden aus dem Pool der Mitarbeiter. So können Unternehmen Stellen intern besetzen, eine Analyse der Persönlichkeit und des Potenzials ihrer Führungskräfte vornehmen oder im Zuge der internen Personalentwicklung herausfinden, wer für weitere Beförderungen in welchen Bereich des Unternehmens am besten geeignet ist. Wissenstests sind hier kaum relevant sondern Persönlichkeit, Managementqualitäten und Soft Skills.
  • Assessment-Center für bereits bestehende Führungskräfte gibt es insbesondere bei großen Unternehmen und Konzernen. Hier geht es darum, das Potenzial der Personen zu prüfen, diese ggfls. bei dessen bestmöglicher Ausschöpfung zu unterstützen und so die Führungsebene in die Lage zu versetzen, ihre Ziele zu erreichen – und dies zugleich zu überprüfen und zu dokumentieren.

 

Wie läuft ein AC ab? Bei aller individuellen Gestaltung je nach Unternehmen, Art des AC und zu besetzenden Positionen gibt es doch eine Grundstruktur: Nach einer Begrüßungsrunde, in der sich die Unternehmensvertreter vorstellen und Informationen zum Ablauf geben, stellen sich die Teilnehmer vor. Es folgen verschiedene Übungen mit Pausen dazwischen. Weil AC viel länger dauern als Bewerbungsgespräche, oft mehrere Tage, gibt es außer den Pausen oft gemeinsame Abendessen. WICHTIG: Die Pausen mögen dazu dienen, das Gehirn zu entlüften, aber nie pausiert das AC. Die Vertreter des Unternehmens und die externen Beobachter behalten das Kandidatenfeld auch in dieser Zeit im Auge und berücksichtigen das im Ergebnis. Zum Abschluss gibt es eine Feedbackrunde, zu der auch eine Selbsteinschätzung der gezeigten Leistungen gehört und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Welche Fragen Sie zum Unternehmen haben ist für ihre endgültige Beurteilung ebenfalls aufschlussreich. Zur Abschlussrunde gehört nicht die endgültige Entscheidung, weil dafür die Unternehmensseite ja zuerst ihre Aufzeichnungen vergleichen und besprechen muss. Üblich ist eine rasche und ausführliche Rückmeldung, persönlich oder telefonisch. Das ist auch ein Vorteil des AC für Bewerber: Selbst wenn es nicht klappt mit dem neuen Job oder der Beförderung, so ist das Feedback doch oft hilfreich für die Persönlichkeitsentwicklung und künftige Gelegenheiten.

 

Und wie kann ich mich am besten vorbereiten und üben? Wer danach googelt stößt schnell auf Vorbereitungsseminare oder Übungstests. Deren Nutzen muss in Zweifel gezogen werden, denn wie soll mir ein Dienstleister dabei helfen, die eigene Persönlichkeit zu üben? Probetests, die sich auch auf Webseiten seriöser Wirtschaftsmedien oder Tageszeitungen finden und bei denen ich mich durch die 10, 15 oder auch 25 beliebtesten Übungsaufgaben klicken kann, bringen wenig. Denn Rechen-, Zuordnungs- oder Logik-Aufgaben lassen sich viel zu leicht variieren, als dass ich mich gezielt vorbereiten könnte. Und wenn es grundsätzlich an den eigenen Logik- oder Rechenfähigkeiten hapert, wird sich das nicht binnen zwei oder vier Wochen Vorbereitungszeit auf konkurrenzfähiges Niveau bringen lassen. Bereiten Sie sich also lieber auf einer grundlegenden Ebene vor im Sinne der Schärfung ihres eigenen Profils.

 

  • Gehen Sie in sich, analysieren Sie Ihre Vorteile und Schwächen im Zusammenhang mit dem angestrebten Unternehmen und der Position. Personaler können Schauspieler schnell erkennen und haben es lieber, wenn Kandidaten mit einer authentischen Persönlichkeit, professionellem Verhalten und guter Qualifikation super zum Unternehmen passen.
  • Informieren Sie sich gründlich über das Unternehmen und den angestrebten Job, überlegen Sie, welche Aufgaben auf Sie zukommen und wie Sie diese angehen.
  • Polieren Sie ihre Skills in Sachen Präsentationstechnik, Rhetorik und Kommunikation, Englisch sowie ihre Stressresistenz auf. Rechnen Sie damit, dass absichtlich Stresssituationen herbeigeführt werden, dass die Zeit bei Übungen zu knapp bemessen ist und Sie beispielsweise durch falsches oder negatives Feedback unter Druck gesetzt werden.
  • Nehmen sie in persönlicher Topform teil, also ausgeruht und ungestresst. Dafür können im Vorfeld Sport, gesunde Ernährung, Meditation oder viele andere Möglichkeiten helfen, sicher aber nicht intensives Feiern oder massig Überstunden.
  • Rechnen Sie grundsätzlich mit folgenden Bestandteilen: Postfach-Übung zur Priorisierung von Aufgaben, Gruppendiskussion und -arbeit, Planungstask, Präsentation, Gespräch (zum Beispiel eine fiktive Kündigung oder ein Mitarbeitergespräch sein).
  • Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen und vergessen Sie nie: Alleine die Tatsache, dass Sie zum AC eingeladen wurden, zeigt, dass Sie in den Augen des Unternehmens Potenzial haben. Aber treten Sie nicht extrem konkurrenzfokussiert auf. Unternehmen suchen meist Menschen mit Führungspotenziel, die teamfähig und moderierend sind, keine aggressiven Alphamännchen oder -frauchen.