Absolventenbefragung im Agrarbereich 2021

Bachelor und Master – Was kommt nach dem Studienabschluss?
Veröffentlicht am 07.06.2022
Absolventenbefragung im Agrarbereich 2021

Die aktuelle Studie wurde von Prof. Dr. Jens-Peter Loy, von der Macke-Loy-Glauben GbR Markt- und Konsumforschung, Beratung, und mit Lehrstuhl für Marktlehre am Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wissenschaftlich bearbeitet und von der Landwirtschaftlichen Rentenbank finanziell gefördert.

Diese liefert interessante und wertvolle Erkenntnisse für uns alle und gibt auch Auskunft über die Veränderungen seit der letzten Studie im Jahr 2018. Es finden sich aktuelle Informationen zur Studiendauer, berufspraktischen Kenntnissen, Bewertung des Studiums, Berufseinstieg und Entlohnung, beruflicher Werdegang, Kompetenzen in der Arbeitswelt, die wahrgenommene Arbeitgeberattraktivität sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Zahl der Agrarstudenten an Universitäten hat in den letzten zwei Jahrzenten um ca. 10.000 zugenommen. Derzeit studieren rund 40.000 Studenten an Universitäten in diesem Fachbereich. Dazu kommen 25.000 Studierende an (Fach-)Hochschulen. Trotz des Anstiegs der Studierendenzahlen zeigt sich ein deutlicher Fachkräftemangel im Bereich der grünen Berufe. Die vorliegende Studie bietet in diesem Zusammenhang wichtige Informationen zum Studium und Berufseinstieg für diesen weiterhin wachsenden Bereich. Dabei wird wie in den Vorgängerstudien von 2012, 2015 und 2018 in erster Linie die Perspektive der Absolventen dargestellt, welche für Studieninteressierte und Arbeitgeber in diesem Bereich gleichermaßen von Interesse ist. In der Befragung von 2021 konnten wie 2018 rund 500 Absolventen zu einer vollständigen Teilnahme an der umfangreichen Befragung gewonnen werden. 

58 % der Befragten sind Frauen und 42 % Männer. Rund ein Drittel stammt von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Das Durchschnittalter der Befragten liegt bei 29 Jahren.
Für eine bessere Vergleichbarkeit mit der vorangegangenen Studie entsprechen Aufbau und die Auswertung im Wesentlichen dem Muster der Vorstudie.

Erwartungsgemäß studieren (Fach-)Hochschüler etwas schneller beziehungsweise absolvieren das Studium häufiger in der Regelstudienzeit als Universitätsabsolventen. Die Zahl der Hochschulwechsel im Studium ist rückläufig. Lediglich 13 % der Befragten haben die Hochschule gewechselt. 2018 war es noch jeder Fünfte. 80 % der Befragten beurteilen das Studium mit „gut“ oder „sehr gut“. Gleiches gilt für den Ruf der Hochschule oder Universität. 75 % der Befragten empfiehlt auch das Studienfach.

Wie schon in den letzten Studien wünschen sich die Absolventen an Universitäten mehr Praxisnähe und eine stärkere Einbindung von Praktikern und Lehrbeauftragten aus der Wirtschaft. Auch bei den Softskills gibt es noch Nachbesserungsbedarf an den Universitäten. An (Fach-)Hochschulen besteht hingegen ein etwas ausgeprägterer Wunsch nach mehr englischsprachiger Lehre. Die Mehrheit der Absolventen sieht an beiden Bildungseinrichtungen eine ausreichend breite Abdeckung von Fachwissen.

Die Bewertung der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen fällt durchweg positiv aus. Das Bild des Bachelors in Bezug auf seine Berufsqualifizierung ist gemischt. Zwar sehen fast 40 % den Abschluss voll oder überwiegend berufsqualifizierend, aber auch 36 % sehen ihn als eher nicht bis überhaupt nicht berufsqualifizierend an.

Fast Dreiviertel der Befragten sehen die im Studium erworbenen Kenntnisse als eher nützlich bis sehr nützlich an. Dieser Anteil liegt erwartungsgemäß bei den (Fach-)Hochschulen mit 82 % etwas höher, da diese eine praxisorientiertere Ausrichtung und Lehrpersonal mit Berufserfahrung außerhalb der Bildungsstätte haben. Die Forschungsausrichtung an Universitäten wird in diesem Zusammenhang weniger relevant für den Beruf gesehen, da die Mehrheit diese Qualifikation als wenig nützlich für die Praxis ansehen. Universitäten müssen daher an der Bedeutung und dem Mehrwert dieser Qualifikation für die Praxis u.a. für den Transfer von Forschungswissen in die Praxis arbeiten.

33 % der Befragten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung vor Studienbeginn, für 2018 lag dieser Anteil noch bei 25 %. 56 % dieser Studierenden haben eine Ausbildung in der Landwirtschaft gemacht, 10 % im vor- und nachgelagerten Bereich und 34 % außerhalb der Landwirtschaft und des Agribusiness.

89 % der befragten Agrar-Absolventen haben vor oder während ihres Studiums mindestens ein Praktikum absolviert. Die überwiegende Mehrheit der Absolventen (89 %) hat während des Studiums nebenbei gearbeitet, rund die Hälfte davon in der Landwirtschaft.

Direkt nach dem Studium haben 49 % der befragten Absolventen eine reguläre abhängige Beschäftigung aufgenommen. Das sind 11 % mehr als in der Studie von 2018. Unterteilt nach Hochschultypen zeigt sich, dass dieser Anteil bei den (Fach-) Hochschulabsolventen höher liegt: Während 39% der Universitätsabsolventen direkt nach dem Studium in eine reguläre Beschäftigung wechselten (2018: 35 %), trifft dies auf 66 % der (Fach-) Hochschulabsolventen
(2018: 49 %) zu.

2018 gab 10 % der Befragten an, ohne Beschäftigung zu sein. 2021 sinkt dieser Anteil auf 7 %. Bei den Universitätsabsolventen ist der Anteil ebenfalls von 10 % auf 7 % zurückgegangen. Bei den (Fach-)Hochschulabsolventen sinkt dieser Anteil von 8 % in 2018 auf 5 % in 2021.

Der Einstieg in den elterlichen Betrieb wurde nach dem Studium insgesamt von 3 % der Befragten vollzogen, wobei 2021 der Unterschied zwischen den Hochschultypen mit einem Prozentpunkt gering ausfällt. 2018 lag die Differenz zwischen den Hochschultypen noch bei 11 Prozentpunkten. Unterschiede zwischen den Hochschultypen gibt es auch im Anteil derer, die im Anschluss an ihr Studium promovierten. Während 2018 noch jeder zehnte Universitätsabsolvent promovierte, sind es 2021 nur noch 6 %. Unter den befragten (Fach-)Hochschulabsolventen waren es 2018 2 % und 2021 nur noch 1 % der Befragten. Das Interesse an einer weiteren wissenschaftlichen Ausbildung und selbständiger Forschungstätigkeit sind damit weiterhin rückläufig. 2015 haben noch 14 % der Universitätsabsolventen eine Promotion angestrebt.

Die Entwicklung der Bruttojahresgehalte gegenüber den Einstiegsgehalten ist für alle Abschlussgruppen positiv. Erwartungsgemäß sind die Einstiegsgehälter bei Masterabsolventen höher als bei Bachelorabsolventen und die Gehaltsklasse ab 40.000 Euro Bruttojahresgehalt ist in allen Gruppen aktuell um 6 bis 8 Prozentpunkte häufiger als gegenüber dem Berufseinstieg.

Die Absolventen zeigen ein überwiegend sehr positives Bild ihrer aktuellen beruflichen Situation. Für 80 % gilt, dass sie mit dem bisher Erreichten, den Arbeitsbedingungen, der Reisetätigkeit und mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eher bis voll und ganz zufrieden sind.

Dreiviertel der befragten Absolventen stufen die Attraktivität ihres derzeitigen Arbeitgebers auf einer Skala von 1 bis 100 bei mehr als 70 Punkten ein und können sich vorstellen, länger bei diesem beschäftigt zu sein. Ein wesentlicher Grund dafür ist das gute Arbeitsklima. EDV- und IT-Kenntnisse sowie Redegewandtheit und Präsentationskompetenz stehen ganz oben bei den sonstigen Kompetenzen. Hier gilt es insbesondere für Universitäten ein verbessertes Angebot zu schaffen. Hinzu kommt der Bereich „big data“ und „künstliche Intelligenz“, für die es viele Anwendungen im Agrarbereich gibt. In der Ausbildung allerdings fehlen diese Inhalte bislang zumeist.

Während es generell mehr Arbeitslose als offene Stelle gibt, so zeigt sich bei den Fachkräften eine umgekehrte Situation. Der Anteil an offenen Stellen, für den es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, liegt für den Bereich Land-, Forst- und Tierwirtschaft und Gartenbau bei 41 %. Damit gehört Land-, Forst- und Tierwirtschaft und Gartenbau zu den Wirtschaftsbereichen mit den höchsten Stellenüberhangsquoten und damit besitzt der Bereich weiterhin gute bis sehr gute berufliche Perspektiven.

Absolventenbefragung im Agrarbereich 2021

Text: Prof. Loy/VDL

Quelle: Bachelor und Master - Was kommt nach dem Studienabschluss? Absolventenbefragung im Agrarbereich 2021 - VDL