Landwirtschaft ist smart – in Zukunft noch viel smarter

Menschen müssen sich ernähren – auch im Jahr 2046. Das, was sie essen und trinken, unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was sie heute zu sich nehmen. Die Art aber, wie Lebensmittel erzeugt werden, entwickelt sich in den nächsten 25 Jahren weiter. Genauso wie sich ein Unternehmen wie Fendt von einem Maschinenbauer zunehmend zu einem Hersteller von intelligenten Maschinensystemen und Servicelösungen entwickelt.
Veröffentlicht am 09.09.2021
Landwirtschaft ist smart – in Zukunft noch viel smarter

Die Weltbevölkerung beginnt sich im Jahr 2046 nach einem bis dato starken Anstieg Schritt für Schritt zu stabilisieren. Die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels sind für viele Menschen deutlich spürbar. Auch für die Landwirte auf allen Kontinenten. Die Agrarwirtschaft begegnet 2046 den neuen Herausforderungen mit angepassten Sorten und smarter Technik. Blickt man 2046 auf das Jahr 2021 zurück, wird man feststellen, wir steckten damals bei vielen Aspekten und Trends noch in den Kinderschuhen, beispielsweise bei der Feldrobotik, dem digitalen Farm Management und den autonomen Systemen in der Außenwirtschaft. „Die Landtechnik wird in den kommenden Jahren noch intelligenter, dabei intuitiver bedienbar und in allen Aspekten nachhaltiger. Höhere Leistungsfähigkeit wird nicht mehr allein durch Größen- und Gewichtswachstum erreicht, sondern durch vernetzte Maschinensysteme und Schwarmtechnologie“, so Christoph Gröb­linghoff, Vorsitzender der AGCO/Fendt Geschäftsführung. „Die Treiber der Entwicklung sind weltweit sehr vielfältig. Ob Klimawandel, strenge Gesetzesvorgaben, Fachkräftemangel oder Erzeugerpreise – damit Landwirte auch in Zukunft ökonomisch und nachhaltig wirtschaften können, wird sich auch die Technik dazu anpassen.“ Im Jahr 2046 hat sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zum etablierten Werkzeug für Steuerungssysteme und Entscheidungsunterstützung entwickelt. Mehrere Branchen wie „Verkehr, Transport und Logistik“ oder „Banken und Finanzen“ nutzen das Potenzial von neuronalen Netzen bereits. Der Schritt von heutigen Steuerungs- und Assistenzsystemen zur Künstlichen Intelligenz hat sich auch für landtechnische Maschinen vollzogen. Regen wir uns heute noch über Mobilfunklöcher auf, ist das Thema in 25 Jahren kein Diskussionspunkt mehr. Auch Speicherplatz, Rechenleistung, Datentransfer und Datenverarbeitung sind 2046 für komplexe kommerzielle Anwendungen Künstlicher Intelligenz geeignet, kostengünstig verfügbar und werden ressourcenschonend bereitgestellt.

Vom Traktoristen zum Navigator

Früher bestellte der Bauer unter körperlicher Anstrengung sein Feld selbst. Im Jahr 2046 ist er immer noch Landwirt und bestellt seine Felder, aber ohne die körperlichen und zeitlichen Einschränkungen. Als Navigator kann er beispielsweise seine autonome Maschinenflotte digital zum Einsatzort schicken und einen Arbeitsauftrag erteilen. Insbesondere bei den komplexen Prozessen der Landwirtschaft und ermöglicht durch den Fortschritt bei integrierten Sensoren für Boden-, Pflanzen- und Maschinenzustand hat sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Pflanzenbau als Erstes etabliert. Klimaveränderungen, wie längere niederschlagsarme Perioden, und strenge Gesetzesvorgaben zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln verlangen nach neuen und angepassten Systemen. Diese unterstützen vollintegriert 2046 das etablierte, weitergegebene Wissen von Bauern. Expertise und Entscheidungen sind 2046 zum Teil auch im strategischen und betriebswirtschaftlichen Bereich durch Künstliche Intelligenz augmentiert und vorbereitet. Wissen und passende Information sind in jeder Situation „at your fingertips“ verfügbar. Neben der auch schon heute etablierten Technik werden in den nächsten Jahrzehnten kleine und kleinste Roboterschwärme am Boden und in der Luft global an Bedeutung gewinnen. Systembedingt sicher, bodenschonend, energiesparend und in hoher zeitlicher wie örtlicher Präzision säen, kontrollieren, pflegen und ernten unterschiedlich große Schwärme die Pflanzen auf den Feldern der ganzen Welt – egal, ob Gartenbau, klein strukturiert oder auf Großflächen. Ihre Aufladung findet durch die Energie statt, die lokal selbst erzeugt wird. „Neben dem umweltschonenden Aspekt ist auch die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln und nachhaltigen Rohstoffen ein ausschlaggebendes Kriterium für neue Produktionsweisen“, so Gröblinghoff. „In Ergänzung zur konventionellen Technik können Nahrungsmittelpreise auch durch Einsatz von flexiblen und günstigen Schwärmen weltweit für rund 11 Milliarden Menschen günstig gehalten werden und gleichzeitig in hoher Qualität nachhaltig erzeugt werden.“

Das fossile Zeitalter wird überwunden

Heute treiben leistungsstarke Dieselmotoren Traktoren und Erntefahrzeuge an. Das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben, weil alternative Antriebssysteme noch nicht überall die gleiche Leistungsfähigkeit haben. „In Zukunft werden noch strengere Emissionsrichtlinien für Kohlendioxid und andere Schadstoffe gelten. Um aber die traditionellen Maschinenkonzepte wie große Traktoren und Mähdrescher 2046 weiterhin nutzen zu können, werden diese auf leistungsfähigere Batterien, Schnellladesysteme, Brennstoffzellen und regenerativ erzeugte Flüssigkraftstoffe umgestellt werden“, so eine Hypothese von Gröblinghoff. Die zukünftigen Antriebssysteme werden auf elektrische Primärenergie aus Sonne und Wind, aber auch auf Kernfusion ausgerichtet werden. Die elektrische Energie ist in 25 Jahren bei mobilen Anwendungen die am weitesten verbreitete Form. Im Jahr 2046 sind Speicher kostengünstig und der Rohstoffbedarf ist durch intelligente Kreislaufwirtschaft umwelt- und sozialverträglich gelöst. „Heute schon 25 Jahre vorauszuschauen, ist sehr schwierig. Im 20. Jahrhundert war die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts verglichen mit heute langsam. Durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz erhöht sich die Geschwindigkeit noch einmal mehr“, beschreibt Gröblinghoff die fortschreitende Rasanz von Entwicklungen. „Aber durch den Einsatz smarter und nachhaltiger Technik können moderne Landwirte den Herausforderungen begegnen und auch in Zukunft den wichtigsten Beruf weltweit ausüben: Nahrungsmittel für Menschen herstellen.“

Quelle: agrarzeitung