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Stellenanzeigen - Jobangebote für die Galerie?

Nicht jede Stellenanzeige ist ernst gemeint. Manche werden veröffentlicht, obwohl die Stelle längst vergeben ist – zumindest inoffiziell. Das zu erkennen, spart Arbeit und Nerven. 5 Indizien für Fake-Anzeigen
Veröffentlicht am 30.07.2020

Fake-Jobanzeigen gibt es ebenso wie Fake-News: Eine Stelle soll neu besetzt werden, die Auswahl ist aber innerbetrieblich bereits getroffen. Trotzdem wird noch eine Anzeige veröffentlicht. Ein Grund für solche Fake-Anzeigen kann beispielsweise sein, sich nicht angreifbar machen zu wollen – gegenüber Klagen möglicher Kandidaten oder auch gegenüber Rückfragen aus der Führungsetage. Oder schlicht, weil die Richtlinien des Unternehmens vorsehen, dass jede Stelle ausgeschrieben werden muss.

Manchmal testen Unternehmen oder Verwaltungen so auch den Rücklauf, der auf eine Anzeige kommt, um ihre Kommunikation zu verbessern. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen mittels Fake-Anzeigen nur die Daten der Bewerber abgegriffen wurden – das ist schlicht kriminell. Oder Stellenausschreibungen werden als Kommunikationsinstrument verwendet, nach dem Motto: „Seht her, uns geht es gut, wir suchen Leute!“ Oft wurden Stellenanzeigen noch wenige Wochen vor Insolvenz veröffentlicht.

Für Bewerber und Bewerberinnen sind nicht ernst gemeinte Stellenanzeigen aber ein sehr großes Ärgernis. Denn eine ordentliche und sorgfältige Bewerbung zu erstellen, kostet Mühe. Deshalb sollten wechselwillige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich bei einer interessanten Stellenanzeige nicht nur fragen, ob das eine gute Stelle sein könnte, ob sie der Karriere dient, die Aufgaben reizvoll sind und zum eigenen Profil passen. Sondern durchaus auch einmal einen Gedanken darauf verwenden, ob die Mühe der Bewerbung denn überhaupt lohnt, ob die Stellenanzeige ernst gemeint ist oder nur pro forma.

So können Sie erkennen, ob es sich um eine ernst gemeinte Stellenanzeige handelt oder nicht. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber je mehr Punkte zutreffen, desto eher könnte eine Anzeige nur Fake sein.

 

1) Prüfen Sie die Plausibilität. So kommen Sie auch am ehesten betrügerischen Inseraten auf die Spur. Kontaktdaten überprüfen ist das Mindeste. Aber auch mal mittels Satellitenbild oder Streetview die Adresse ansehen – große Betriebe befinden sich selten in den Wohngebieten oder Innenstädten. Checken Sie aber auch die inhaltliche Relevanz: Ist es logisch, dass der ausschreibende Betrieb das gesuchte Jobprofil braucht? Eine Recherche in den sozialen Medien, insbesondere bei Xing und LinkedIn, ist ebenfalls nützlich. Sind Zweifel geweckt, können Sie auch einfach mal anrufen und ein paar sinnvolle Fragen zum Job stellen.

2) Ist die Stelle extrem detailliert beschrieben oder verlangt sehr spezielle Anforderungen? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass sie einer Person auf den Leib geschrieben ist. Oder es wird nach sehr detailliert beschriebenen, wenig gebräuchlichen Fähigkeiten, Erfahrungen oder Praktika gefragt, die sonst für dieses Berufsbild kaum vorkommen.

3) Kreative Jobtitel klingen gut – aber auch realistisch? Gerade junge Unternehmen haben außergewöhnlich klingende Titel für ihre Stellen. Vergleichen Sie ruhig mal mit vergangenen Stellenanzeigen des Unternehmens, so bekommen Sie leicht ein Gespür dafür, ob die aktuelle Ausschreibung realistisch ist.

4) Wiederholte Ausschreibungen, die identisch oder ähnlich alle paar Wochen oder Monate veröffentlicht werden, sind häufig nicht ernst gemeint. Falls doch, ist das aus anderen Gründen ein schlechtes Zeichen, denn die zuständige Personalabteilung ist dann möglicherweise so schlecht, dass sie es nicht schaffen, Stellenanzeigen genau zu formulieren, um passende Bewerber finden. Kein Zeichen für ein gutes Unternehmen. Oder die ganze Firma ist so geführt, dass die Fluktuation extrem hoch ist – auch das ist nicht unbedingt ein Hinweis darauf, dass hier der Traumjob wartet.

5) Eine Stelle ist als extrem kurz befristet ausgeschrieben. Personaler wissen, dass Befristungen unbeliebt sind. Wenn Stellen ausgeschrieben werden, für die der geeignete Kandidat bereits vorhanden ist, werden deshalb gerne sehr kurze Befristungen gewählt, um Interessenten abzuschrecken.

Wie gesagt: Eigene Recherchen bringen im Zweifelsfall meist Klarheit. Oder Sie wählen die Zen-Variante: Machen Sie sich keine Sorgen, ob eine Anzeige echt ist und sehen jede Bewerbung als Training für künftige. Denn je aufwendiger die Recherche über die Ernsthaftigkeit einer Anzeige, desto geringer die Ersparnis gegenüber dem Aufwand der Bewerbung selbst. Und wenn Sie sich auf eine verlockende Anzeige nicht bewerben, weil Sie denken, es sei Fake und lohne nicht – dann werden Sie vielleicht noch monatelang grübeln, ob es nicht doch eine gute Chance war.