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Lücken überbrücken

Aus sauren Zitronen lässt sich süße Limonade machen: Verkaufen Sie die Lücken Ihres Lebenslaufes so, dass der Empfänger seinen Vorteil sieht.

Ich bin stolz auf die Falten. Sie sind das Leben in meinem Gesicht. - Brigitte Bardot

 

Was haben Schönheitschirurgen und Bewerber gemeinsam? Beide tilgen Makel: der eine im Gesicht, der andere im Lebenslauf. Eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergab vor einigen Jahren: Die Hälfte alle 1960 geborenen Männer war nicht durchgehend berufstätig. Bei den Frauen lag die Quote noch höher.

 

Unebenheiten im Lebenslauf – wie geht man damit um? Ist es überhaupt sinnvoll, sie zu glätten? Oder verhält es sich mit solchen Lücken, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Krankheit, nicht wie mit Falten im Gesicht: dass man, wie Brigitte Bardot sagte, stolz darauf sein darf? Gegenfrage: Glauben Sie, die Bardot hat seit ihren ersten Fältchen nie mehr in den Schminktopf gegriffen? Sicher hat sie! Mit jedem Fältchen etwas mehr. Wer Falten im Gesicht oder Lücken im Lebenslauf hat, darf natürlich stolz darauf sein. Aber er darf nicht erwarten, dass der Betrachter ihn für attraktiver hält als einen makellosen Kandidaten.

 

Für Sie mag es wichtig gewesen sein, dass Sie eine Arbeitslosigkeit überwunden, die Welt umreist, einen kranken Angehörigen gepflegt oder sich ein Jahr Ihrer großen Liebe statt dem Büro gewidmet haben. Das Fatale ist nur, dass solche Bekenntnisse dem Personaler eine Steilvorlage liefern, um Ihre Bewerbung auszusortieren. Und genau darin – im Aussortieren – sehen viele Personalentscheider ihren Job. Alles, was von der Norm abweicht, landet auf dem Stapel »unbrauchbar«. Der Blick ist (leider) nicht auf die Stärken eines Bewerbers, sondern nur auf seine vermeintlichen Schwächen gerichtet. Unregelmäßigkeiten im Lebenslauf führen regelmäßig zu Absagen.

 

Was folgt daraus? Seien Sie stolz auf Ihr Leben, auch auf die Umwege. Aber tun Sie als Bewerber alles, Ihre Stationen so zu verkaufen, dass der Empfänger seinen Vorteil sieht. Waren Sie wirklich nur arbeitslos? Oder haben Sie in dieser Zeit etwas für den Beruf gelernt, durch Lektüre, durch Kurse, durch Erfahrungen? War Ihre Weltreise wirklich nur eine Vergnügungstour? Oder haben Sie dabei etwas über fremde Kulturen, Sprachen und Geschäftsgepflogenheiten erfahren? Wetten, dass sich hinter jeder »Falte« Ihres Lebenslaufs, wenn Sie genau hinsehen, ein hübscher Vorteil für einen künftigen Arbeitgeber findet? Zeigen Sie diesen Nutzen auf, heben Sie ihn im Lebenslauf hervor, wie beim Schminken. Dann geben Sie eine gute Figur ab. Und sehen als Bewerber nicht alt (und faltig) aus.

 

Martin Wehrle ist Erfolgsautor und „Deutschlands bekanntester Karriereberater“ (Focus). Gerade ist sein neuer Spiegel-Bestseller erschienen: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“. An seiner Akademie bietet er eine Coaching-Ausbildung an und berät Menschen in Karrierefragen: www.karriereberater-akademie.de