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Ein Brief als Zünglein

Ob Sie als Bewerber erfolgreich sind, entscheidet sich in letzter Sekunde. Ein Brief nach dem Vorstellungsgespräch kann das Zünglein an der Waage sein.
Veröffentlicht am 07.02.2018

Um einen Liebesbrief zu schreiben, musst du anfangen, ohne zu wissen, was du sagen willst, und endigen, ohne zu wissen, was du gesagt hast.

Jean-Jacques Rousseau

 

Jeden Morgen, wenn der Briefträger kommt, reißt der Bewerber ihm die Post aus den Händen. Zusage oder Absage – das ist hier die Frage. Fast alle Bewerber verlegen sich aufs Warten, sobald das Vorstellungsgespräch geführt ist, auch wenn die Antwort per E-Mail kommen soll. Als hätten sie alles, was möglich war, für ihren Erfolg getan. Das stimmt aber nur fast. Denn das Tüpfelchen auf dem i versäumen sie derweil: ein Schreiben nach dem Vorstellungsgespräch. Ein solcher Brief oder eine solche Mail gibt Ihnen die Gelegenheit, sich noch einmal von der Masse abzuheben. Von zehn Bewerbern, die sich vorstellen, nutzen nur ein bis zwei diese Chance.

 

Aber formulieren Sie nicht ins Blaue, wie Jean-Jacques Rousseau es für Liebesbriefe empfiehlt. Vielmehr sollten Sie die Argumente, die für Sie sprechen, noch einmal zusammenfassen. Zählen Sie drei Gründe auf, warum Sie perfekt zu der offenen Stelle passen und sich schon auf Ihren ersten Arbeitstag freuen. Sie glauben ja gar nicht, wie wichtig ein solches Schreiben sein kann, gerade wenn zwei Bewerber sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Wer schreibt, ruft sich ins Gedächtnis. So kann er den Eindruck, den andere Bewerber hinterlassen haben, oft überstrahlen. Noch dazu sendet er die Botschaft aus: Ich bin engagiert, ich will diesen Arbeitsplatz wirklich haben! Die Vorstellung, begehrt zu sein, schmeichelt einem Unternehmen.

 

Die Wirkung ist umso größer, je individueller Sie Ihr Schreiben halten. Sagen Sie, was Ihnen an Ihrem Vorstellungsgespräch gefallen hat, zum Beispiel die offene Diskussion über eine Fachfrage oder die anschaulichen Beispiele für die Unternehmensphilosophie. Und verknüpfen Sie mit den drei Argumenten, die Sie zu Ihren Gunsten anführen, auch Informationen, die Sie erst im Vorstellungsgespräch erhalten haben – statt lediglich einen zweiten Aufguss Ihres Bewerbungsbriefes zu verfassen.

 

Welche Form ist besser, Brief oder Mail? Ein Brief ist die größere Rarität, er erregt mehr Aufmerksamkeit. Die Mail sollten Sie vorziehen, wenn ein Bewerbungsverfahren kurz vor der Entscheidung steht und eine schnelle Wortmeldung gefragt ist.

Wer seinen Auftritt als Bewerber mit einem solchen Schreiben abrundet, bekommt zwar keinen Liebesbrief als Antwort – aber in vielen Fällen eine Zusage.

 

 

Martin Wehrle ist Erfolgsautor und „Deutschlands bekanntester Karriereberater“ (Focus). Gerade ist sein neuer Spiegel-Bestseller erschienen: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“. An seiner Akademie bietet er eine Coaching-Ausbildung an und berät Menschen in Karrierefragen: www.karriereberater-akademie.de