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Bewerbung - Keine Angst vor dem Persönlichkeitstest

Erfahrungen und Skills sind das eine, Unternehmen suchen aber auch bestimmte Typen. Persönlichkeitstests kommen deshalb bei Bewerbungsverfahren oder in der Personalentwicklung zum Einsatz.
Veröffentlicht am 25.09.2020

Zeugnisse und Referenzen sind Basics in den Bewerbungsunterlagen. Allerdings: Was nutzt die hochklassig qualifizierte Führungskraft, wenn sie menschlich versagt und Team sowie Kollegen deshalb in Blockadehaltung gehen? Mit Persönlichkeitstests versuchen Unternehmen, auch solche Risiken auszuschließen. In vielen Ländern gehören Persönlichkeitstests sogar zum Standardverfahren bei Bewerbungen. In Deutschland hingegen stoßen sie häufig auf Skepsis und Ablehnung, sind seltener in Gebrauch als etwa in Dänemark, Großbritannien oder den USA. Viele Persönlichkeitstests haben ihren Ursprung in der Beurteilung und Therapie psychisch kranker Menschen und stoßen wohl auch nicht zuletzt deshalb auf Vorbehalte.

Häufiger als bei Bewerbungen setzen Unternehmen bei der internen Personalentwicklung ihrer Führungskräfte auf solche Tests. Es gibt ein weites Spektrum an Persönlichkeitsanalysen mit seriöser und nicht so seriöser Ausrichtung. Doch ein Persönlichkeitstest ist keine Wunderwaffe. Wer sich vorbereitet, muss keine Angst vor einem Test haben:

Sei du selbst, ist der grundlegendste Rat. Das fängt damit an, dass niemand sich auf eine Stelle oder bei einem Unternehmen bewerben sollte, die nicht zumindest grundlegend zur eigenen Persönlichkeit passen. Zudem ist ein solcher Test immer nur einer von vielen Faktoren im Bewerbungsprozess und wird häufig nur dazu eingesetzt, den Eindruck aus dem Assessmentcenter oder aus anderen Tests zu ergänzen oder zu verifizieren.

Achten Sie auf das Ziel des Tests, denn manche davon sind so schlicht, dass sie leicht zu entschlüsseln sind. So gibt es etwa Testverfahren, bei denen Vorlieben für bestimmte grafische Formen abgefragt werden – runde und/oder geschlossene Formen stehen dabei in der Regel für weich, eckige und/oder dynamische für hart und aggressiv. Es liegt auf der Hand, welches Ergebnis für die meisten Managementpositionen erwünscht ist – und ob die Antworten irgendetwas mit den wahren persönlichen Vorlieben zu tun haben, ist nicht überprüfbar. Ähnlich schlicht sind manche auf Fragen nach persönlichen Vorlieben aufbauende Tests – etwa ob man bei sozialen Events leicht mit Fremden ins Gespräch kommt oder nicht, klare Vorstellungen der eigenen Zukunft hat oder sich lieber treiben lässt. Bei solchen Testfragen müssen Bewerberinnen und Bewerber sich nur fragen, welche Antwort besser zum Unternehmen und zur Stelle passt.

Gängige Tests

Das Bochumer Inventar zur Berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung gilt als einer der seriösesten und zuverlässigsten Persönlichkeitstests. Er trifft Aussagen über das Arbeits- und Sozialverhalten sowie die Psyche. Der Myers-Briggs-Typenindikator ordnet Teilnehmer mittels 100 Fragen in ein Raster aus 16 Persönlichkeitstypen in vier Kategorien ein, denen Eigenschaften zugeordnet sind. Den Big Five Persönlichkeitstest gibt es in unterschiedlich langen Fassungen. Er untersucht fünf grundlegende Persönlichkeitsformen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus.

Aber bitte keine Übertreibungen beim strategischen Antworten, denn wer immer nur Antworten gibt, die perfekt auf das testende Unternehmen passen, wirkt unglaubwürdig. Auch wenn Sie die Fragen ganz oder teilweise strategisch beantworten, sollten Sie so nahe an der Wahrheit bleiben, dass Sie die Antworten überzeugend vertreten können. Sonst lässt Sie der oder die Personalerin ganz schnell auflaufen mit der Feststellung, dass Sie in der Gruppendiskussion aber überhaupt nicht so offen gewirkt haben, wie Sie beim Persönlichkeitstest angeben.

Achten Sie auf Fangfragen, die viele Tests enthalten. Wer angibt, dass er niemals hinter dem Rücken anderer Leute über diese redet, ist entweder heilig oder ein Lügner. Manche Tests bestehen aus einigen Hundert Fragen – bei einer solchen Masse steigt das Risiko, auf verschiedene Fragen, die sich auf das gleiche oder ähnliche Persönlichkeitsmerkmale beziehen, unterschiedliche Antworten zu geben.

Machen Sie sich Gedanken über Ihre Persönlichkeit , denn das ist sowieso ein absolutes Muss im – besser: vor – dem Bewerbungsverfahren. Wer Sie sind und was Sie wollen, aber auch, wie Sie in Teams agieren, in fremden oder neuen sozialen Kontexten, sind Fragen, deren Klärung jeden und jede weiterbringt. Erst recht dann, wenn Sie ihre Karriere auf das nächste Level bringen wollen. Also machen Sie sich darüber bei passender, frühzeitiger Gelegenheit und unter Umständen mit der Hilfe eines Coachs, einer Mentorin oder aus dem Freundeskreis Gedanken.